Erlebtes - Beispiele aus dem Coaching
März 2026
Die Macht der Erwartung und die Kraft innerer Bilder
Vom Konferenztisch in den Wald
Frau F. kam mit dem Wunsch ins Coaching "Ich will wieder mehr Leichtigkeit erleben!"
Sie beschrieb im Folgenden ein diffuses Gefühl bezüglich ihrer Arbeitssituation: „Liegt es an der Arbeit? An mir? Eigentlich ist alles gut – aber es fühlt sich an,
als sollte ich besser kündigen!“
Als Methode nutzten wir die Arbeit mit inneren Bilder: Frau F. stellte sich konkrete Orte vor, die für Stress einerseits und
wohltuende Stimmung andererseits standen.
Diese Visualisierung half ihr, Blockaden zu erkennen und neue Perspektiven zu entwickeln. Frau F. wählte „am Konferenztisch“ für die Umgebung,
in der sie unter Strom steht und „im Wald“ für eine Umgebung, in der sie ruhig und bei sich ist.
Erwartungslos
Bei der Vorstellung „am Konferenztisch“ wollte sie am liebsten sofort in den Wald wechseln, von dem sie sich Entspannung erwartet.
Doch der direkte Übergang in den Wald fühlte sich überraschender Weise ziemlich anstrengend an („Jetzt
muss ich ja entspannt sein!“).
Also fügen wir als neutrale Umgebung eine Straße hinzu: ein neutraler Ort, an dem Frau F. beobachten konnte, was da eigentlich in ihr vorgeht oder,
wie sie es formulierte: ‚Das tut gut, einfach erst einmal wahrzunehmen, was ist.‘
Mit dieser Haltung konnte sie den Wald ohne Erwartung betreten (auch ohne die Erwartung, nun sofort entspannt zu sein) und als erstes den weichen
und zugleich festen Boden unter den Füßen spüren.
Der Stein vor der Tür
Als Frau F. sich nun vorstellte, wieder „am Konferenztisch“ zu sein, merkte sie sofort, wie es ihr schlechter geht.
Nach kurzem Innehalten wurde ihr klar: Es sind vermutlich vor allem ihre eigenen Erwartungen an sich selbst, die sie belasten und unter Druck setzen
- so wie zuvor die Erwartung, sich im Wald gefälligst sofort zu entspannen muss sie nun gefälligst super moderieren, an den richtigen Stellen lachen
und natürlich auch eine Lösung für alle Probleme aus dem Ärmel schütteln. "Allein bei der Vorstellung wird mir schwer zumute!"
Symbolisch legte sie nun einen schweren Stein – als Zeichen für diese Erwartungen – vor die imaginäre Tür des Konferenzraumes.
Die Wahrnehmung, wie "das Schwere" nun
von ihr selbst unwirksam gemacht wurde, erlebte sie als besonders intensiven Moment.
Der Blick in die Zukunft: Warnsignale und Schutzstrategien
Aus dieser symbolischen Geste heraus entwickelte Frau F. eine Hypothese, die sie stärkte: Erwartungen kommen wie Kieselsteine,
die sich zu einem großen Stein häufen. Wichtig ist, die ersten Kieselsteine zu erkennen!
Und die Erwartungen anderer? Frau F. überlegt: „Das sind Kieselsteine, die mir jemand anbietet.
Ich kann sie annehmen – oder bewusst liegen lassen. Entscheidend ist, ob ich gerade die Kraft habe, sie zu tragen."
Bewusste Entscheidung
Frau F. verließ das Coaching mit einer neuen Klarheit: Leichtigkeit entsteht oft nicht (nur) durch äußere Veränderungen,
sondern durch die bewusste Entscheidung, sich von überhöhten Erwartungen – den eigenen wie denen anderer – zu befreien.
Ihr Vorhaben, diese Erwartungen immer wieder zu hinterfragen und loszulassen,
ist dabei für sie weniger eine Technik als eine Haltung der inneren Freiheit.